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Sünde 2
"Wir verstehen die Sprache der Tracht nicht!"
Ja, Herr Wager, ich habe lange überlegt und nachgedacht, welche Sprache der "Tracht" zugeteilt werden kann? Über einige Jahrzehnte bin ich auf diesem Gebiet tätig und konnte mich, "ei der Dauss", an eine eigene Trachtensprache, beim besten Willen nicht erinnern. Auch bei meinen Treffen in Schlitz, mit trachtentragenden Persönlichkeiten aus deutschen Landen, konnte ich eine den Trachten zugeordnete eigene Sprache nicht herausfinden.
Doch - was die Trachtler - kundtaten, war umfangreich und informativ.
Ergo - bleiben wir bei der Übersetzung, bei einer deutschen Sprache, der Sprache der Deutschen Denker und Dichter.
Wenn man altes Bewährtes und alte Traditionen wieder in das Umfeld der Gesellschaft, der Gemeinden, Städte und Regionen zurückholt und als inhaltliche Grundlage in den Mittelpunkt von Veranstaltungen stellt, so stehen die Trachten doch nicht abseits. Sie gehören dazu und bedürfen keiner besonderen Sprache.
Frage: Was wäre ein Volkstanz oder überhaupt eine tanzende Darbietung ohne Tracht?
Warum das Gerede von Wechselformen, Zeichen und Hinweisen, die von der Tracht ausgehen. Das würde heißen, wir sehen nur die Form und nicht die Funktion, die von der Tracht ausgeht. Fest steht doch, die Tracht steht nicht allein im vielfältigen künstlerischen Geschehen unserer Menschen.
Jawohl ... es gehen echte Verbindungen davon aus: beim Tragen zu festlichen Anlässen, zu Feiertagen der Familie und gesellschaftlichen und kirchlichen Höhepunkten.
Die Tracht wurde getragen beim Tanz, beim Theaterspiel und zu den örtlichen und gesellschaftlichen Auftritten. Das ist Fakt und das kann man nicht einfach wegwischen!
Nie stand die Tracht alleine für sich da, immer gab es vielseitige Bezüge zu den Menschen, zu der Gesellschaft und zu gewissen Kulturereignissen. Was soll da hin- und hergeredet werden? So ist und bleibt die Tracht ein Teil des ganzen gesellschaftlichen und volkskünstlerischen Prozesses!
Es liegt bei mir auch kein Verständnis vor, Herr Wager, dass die Trachtenträger für die Wechselformen und Zeichen, die eine bestimmte Tracht aussendet, verantwortlich sind. Ebenso auch die Darlegung, die Trachtenträger würden nur die Form und nicht die Funktion sehen.
Meines Erachtens - noch schlimmer, die Behauptung, die Trennung von Formen und Funktionen, lässt Überliefertes zum "KITSCH" verkommen.
Ergo: Hauen wir alles, was wir mühselig zusammengesucht haben, in die TONNE und werfen es auf den MÜLL!
Wäre das eine Lösung?
Wir sehen die Tracht spricht nicht für sich allein, sie ist ein Teil vieler anderer volkskünstlerischer Details und soll auch weiterhin so gesehen und behandelt werden.
Gehen wir weiter und kommen zur nächsten Sünde ....
Stand: 25. September 2009 |