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Sünde 5
Trennung von Form und Funktion
In dieser Verbindung kommt mir das Märchen von den:
"Zertanzten Schuhen"
der Gebrüder Grimm in den Sinn, weil bei Ihnen, Herr Wager, bei den Darlegungen zur Sünde 5 von den unterschiedlichen Paar Stiefeln die Rede ist. Das heißt, von dem nicht Vorhandensein eines gemeinsamen Weges der
- Volkstanzpflege
und der
- Trachtenpflege.
Ich sehe den Sachverhalt so:
Pflege ist doch der eine Schuh, der andere Schuh ist die Nutzung.
Sie kann im tänzerischen Vortrag der Gruppe erfolgen oder in großer tänzerischer Gemeinsamkeit auf dem Tanzplatz oder anderen Bühnen.
Da kommen doch beide, Volkstanz und Tracht oder Theater und Tracht, in verschiedenen Formen zusammen. Oder?
Ja, und das muss einmal ganz deutlich gesagt werden.
Der Tanz und der Volkstanz sind in der zurückliegenden Zeit, in den vergangenen Jahrhunderten, nicht stehen geblieben. Wenn er für die Gesellschaft, für die Vereine und Veranstaltungen genutzt werden soll - auch heute - dann muss er den tänzerischen Bedürfnissen der Gesellschaft entsprechen und angepasst sein.
Da gilt kein WENN und ABER.
Mit alten Tanzformen und immer wiederkehrenden KEHREN, lockt man keinen Hund hinter dem Ofen vor.
Ich verweise in diesem Zusammenhang auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse und Darlegungen von Igor Moissejew. Ich stelle die Frage: "Warum sind noch heute, die vielfältigen, russischen Folkloretänze auf den Bühnen der Welt beliebt?"
Antwort:
Weil Inhalt, Form und Funktion stimmen und nicht die Haarspalterei!
Ein sehr heikles Thema, aber es kommt immer auch auf den eigenen Standpunkt an, d.h. wie gehe ich an die Sache der Lösung heran.
Stehe ich auf der Bühne, neben der Bühne oder als Betrachter etwas weiter entfernt, stehe ich im "Mief" von Turn- und Sporthallen.
Bei einem Volksfest, Folklorefest, es regnet Bindfaden, dann ist man froh in einer Halle oder Festzelt Unterkunft zu finden.
Wenn nicht, fällt alles ins Wasser.
Also, das Fest fällt aus (Punktum und Schluss).
Ich habe schon ein paar Jahre auf dem Buckel und wenn ich zurückdenke, dann habe ich die letzten Volkstänze (frei nach Anna-Helms-Blasche, die ich selbst noch kannte) zum Tanzfest in Rudolstadt getanzt.
Zu dem ersten Tanzfest, welches in der Zeit vom 24.07 bis 26.07.1955 statt fand. Es war das erste Tanzfest von Ost und West, war der Auftakt für viele weitere Tanzfeste in Rudolstadt.
Viele Jahre sind ins Land gezogen und ich war bis 1989 ein aktiver Organisator dieses Festes.
Rudolstadt ist nach der Wende ein Folkfest geworden. Die Musikfolklore steht im Vordergrund.
Es ist ein Fest des Zuhörens, Zuschauens und des Mitmachens. Es ist jedoch nicht zu vergleichen mit dem stimmungsvollen Tanzfesten in Rudolstadt in den 60er, 70er und 80er Jahren. Die Bevölkerung von Rudolstadt und Umgebung hatte ihr Tanzfest und tausend Tänzer kamen aus der gesamten Republik und bei den ersten Festen auch die Tänzer aus der Bundesrepublik.
National aufgebaut, mit der Zielstellung, ein internationaler Tanzplatz der Zukunft zu werden.
Drei Tage wurde auf allen Plätzen getanzt und die Nächte wurden zum Tage.
So war der Werdegang vom Tanzfest in Rudolstadt, man kann nicht dorthin zurückkehren.
Bei vielen sind jedoch schöne Erinnerungen geblieben, sehr vielseitig waren die Programme und alle tänzerischen Aufführungen. Neue tänzerische Ideen wurden auf die Bühne gestellt und waren Ideenträger für andere Gruppen und Ensembles.
Stand: 25. September 2009 |