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Sünde 8

"WIR LASSEN UNS ZU POLITISCHEN ZWECKEN MISSBRAUCHEN"

Es ist doch ganz hervorragend, dass der vortragende
Herr Wulf Wager, an diese Stelle den politischen Missbrauch
setzt.

Glauben Sie mir, ich sehe die Dinge und Zusammenhänge etwas anders.
Man kann doch nicht gleich alles in einen

"roten" - "braunen" - "schwarzen" oder "grünen"

Topf werfen, umrühren und dann haben wir eine neue, passende Brühe.

Ich denke, da müssten wir schon alles ein bisschen, das heißt, ein großes bisschen - historisch und traditionell - betrachten und untersuchen.
Die Politik, Parteien und Organisationen, Institutionen und staatliche Verwaltungen und Einrichtungen brauchen wir schon bei unserer Entwicklung der volkskünstlerischen Tätigkeit.
Wo sollten wir sonst hinkommen, um den Geldbeutel der Vereine und Verbände aufzufüllen?

Es kommt immer auf den Inhalt und die Form der Zusammenarbeit an, das heißt, gute Partner zu sein, mit dem Ziel, was zu erreichen, was für beide Seiten nutzbar ist.

Mit unseren Mitteln wollen wir den kulturellen Entwicklungen hilfreich unter die Arme greifen und dafür benötigen wir ausreichende Hilfe und Unterstützung der oben Genannten.

Festspiele, Festivals (Nationale und Internationale), Festumzüge, Konzerte, Heimabende und volkskünstlerische Veranstaltungen sind eine bildliche Darstellung unseres Daseins und unseres künstlerischen Könnens. Dazu brauchen wir nun einmal die Unterstützung der Politik in vieler Hinsicht.
Ich denke es geht nicht anders. Die Politik muss wissen und fühlen, dass wir da sind und gebraucht werden (nicht nur bei der Vorbereitung und Durchführung von Wahlen).
Wir können nicht im eigenen Saft schmoren?

Fakt ist, wir, die Volkskunstbereiche in Deutschland, sind nicht Wenige und gemeinsam zählen wir nach Millionen. Zum Beispiel, was wäre ein Oktoberfest in Bayern (München), wenn nicht der Trachtenfestumzug dieses große Fest einläuten würde.
Die ganze Republik und das Ausland hängt am Fernseher und fühlt sich dabei mittendrin. Und hier, wie bei anderen Festumzügen in den Deutschen Landen, lebt auch die Tracht, ihre Träger und die enge Verbindung zu den Organisatoren und letzten Endes auch zur Politik.
All das ist Leben und nicht am Strick herbei gezogenes.
Noch etwas zur Politik und seinem Zusammenspiel mit den verschiedensten Gruppen und Verbänden des künstlerischen Volksschaffens.

Ein paar Beispiele sollen an dieser Stelle angesagt und erlaubt sein.

  1. Über Jahrzehnte gab es bei uns, ich sagte ja schon, ich komme aus der ehemaligen DDR - wo nicht alles verkehrt war. Auf allen Gebieten der volkskünstlerischen Tätigkeit gab es eine Weiterbildung und Qualifizierung. Die Anleitenden waren ausgezeichnete Fachkräfte und Meister ihres künstlerischen Faches. Nach Beendigung der Weiterbildung gab es für jeden Teilnehmer einen Befähigungsnachweis, der von anderen Gruppen, Betrieben und Veranstaltern anerkannt wurde.
    Die Qualifizierung der Leiter des künstlerischen Volksschaffens führte aber auch zu einer künstlerischen Steigerung in den Gruppen, in den Ensembles und bei den Solisten.
  2. Nach der "Wende" gab es einen gewaltigen Knick.
    Vieles musste neu aufgebaut werden und vieles bedurfte einer neuen gegenseitigen Verständigung in Hinsicht auf die künstlerische Arbeit.
    Es gibt auch viel Positives , welches heute noch verwendet wird.
    Z. B. bei der Weiterbildung der Harzgruppen in zwei Wochenendlehrgängen im Jahr auf den Gebieten: Chor, Tanz, div. Musikgruppen, Jodeln, Programmgestaltung etc. Diese Lehrgänge wurden und werden von über 120 Teilnehmer besucht.

  3. Vor mir liegen die Dokumente und Beschlüsse der damaligen Regierung der DDR zur Bildung der Folklore Zentren in den einzelnen Bezirken der DDR.
    Diese Zentren arbeiten zum Teil heute noch und verfügen über einen reichhaltigen Fundus an künstlerischen Materialien, die auch von den Gruppen und Vereinen genutzt werden.
  4. Der Aufbau und die Tätigkeit der Zentren in den Bezirken Harz, Mecklenburg, Sachsen, Thüringen und bei den Sorben führte zu einer kontinuierlichen Aufbauarbeit der Folklore, der regionalen Bräuche, der Feste und Sitten, der Lieder, der Texter, der Mundart und vieles mehr.

  5. Warum, Herr Wulf Wager, legen Sie die sehr einseitige Orientierung auf "Tracht" und "Volkstanz"? Die Volkskunst ist doch breiter und vielseitiger!

Jede Kultur (auch die Volkskunst) ist wertvoll und bedarf der Förderung und Festigung, ebenfalls mit Hilfe und Unterstützung der Politik.
Freilich kam vieles in der Vergangenheit von außen her, was Einfluss und Einzug nahm in unsere Volkskultur, aber nicht so in Bausch und Bogen. Alles muss richtig und organisch hineinwachsen und nicht zwangsmäßig.
Positives erreicht man nur durch Freude und Anerkennung.

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Stand: 25. September 2009