Presseerklärung 08.9.2006
"Niederdeutsch in Kindergärten und Schulen stärker fördern"
Plattdeutscher Rat fordert wissenschaftliche Begleitung
Der Plattdeutsche Rat des Landes Schleswig-Holstein fordert, die niederdeutsche Sprache im Bewusstsein von Kindern und Jugendlichen zu stärken. Das hat das neugewählte fünfköpfige Gremium jetzt auf seiner konstituierenden Sitzung in Kiel beschlossen.
Dabei ist es ihm ein zentrales Anliegen die Arbeit mit der zweiten Landessprache in den Kindergärten, die schon heute eine hohe Akzeptanz aufweist, zu intensivieren.
Die Mitglieder des Rates, Karl-Heinz Groth und Norbert Radzanowski, fordern zugleich eine längerfristig wissenschaftlich forschende Begleitung und verweisen in diesem Zusammenhang auf Beobachtungen und Erkenntnisse in der Vorschularbeit, die sich aus Untersuchungen der 6oer Jahre in Kanada herleiten.
"Darin ist festgestellt worden, dass Mehrsprachigkeit die Sprachentwicklung bereichert, das Kompetenzsystem erweitert, sowie kognitive und soziale Fähigkeiten fördert. "In Deutschland fehlt diesbezüglich eine längerfristig angelegte wissenschaftlich – forschende Begleitung, wir vom Plattdeutschen Rat mahnen dies mit Nachdruck an", sagten die beiden Vertreter heute in Molfsee.
Der Rat wendet sich an die zahlreichen Kindergärten im Lande mit dem Appell, sich dieser bedeutsamen Aufgabe nicht zu verschließen und mit ihrem Engagement alles zu tun, um die Zweisprachigkeit unter Einbeziehung des Friesischen zu fördern.
"Auch in den Schulen lässt sich die Plattdeutsche Sprache stärker verankern", so Groth und Radzanowski. Gerade das Ganztagsschulprogramm öffne hier Freiräume, in denen Schülerinnen und Schüler in Arbeitsgemeinschaften entsprechende Angebote gemacht werden könnten. Die Fritz-Reuter-Schule in Eckernförde sei hierfür ein richtungsweisendes Beispiel. Es führe die Arbeit in Kindergärten und Grundschulen sinnvoll fort.
Dazu gehöre auch eine kompetente Ausbildung im Verein mit Grundschullehrern/innen, die vom Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen
(IQSH) entsprechend dem Richtlinienerlass aus dem Jahre 1992 zu leisten wäre.
Um eine Übersicht über die Verwendung von Plattdeutsch erstellen zu können, bittet der Plattdeutsche Rat die Kindertagesstätten und Grundschulen, die bereits ‚Niederdeutsch’ in ihrem Programm haben, ihm dies mitzuteilen.
Der Plattdeutsche Rat vertritt die Belange der Menschen, die die Regionalsprache sprechen. Nur wenn diese Interessen zusammengeführt und mit einer starken Stimme vorgebracht werden, sind zukunftweisende Zielabsprachen mit der Kulturpolitik möglich.
Der Plattdeutsche Rat für Schleswig-Holstein setzt sich aus fünf Mitgliedern zusammen: engagierten Frauen und Männern, die in einer öffentlichen und landesweiten Wahl die meisten Stimmen erhielten: Marianne Ehlers, Dr. Willy Diercks, Karl-Heinz Groth, Ingwer Oldsen, Norbert Radzanowski.
(Emil Kühl musste aus gesundheitlichen Gründen ausscheiden, so dass Ingwer Oldsen nachrückte.)
Infos unter: eMail: info@heimatbund.de - Niederdeutsch – Plattdeutscher Rat
Molfsee, den 08.09.2006

Presseerklärung 06.9.2006
Auf seiner konstituierenden Sitzung hat sich der neugewählte fünfköpfige Plattdeutsche Rat für Schleswig-Holstein mit einer Reihe wichtiger Fragen und Leitsätze zum Thema "Stärkung der Position des Niederdeutschen in unserem Lande" befasst.
Zentrales und damit vorrangiges Anliegen ist ihm, die Arbeit mit der zweiten Landessprache in den Kindergärten, die schon heute eine hohe Akzeptanz aufweist - beispielsweise in den ADS-Kindergärten - , zu intensivieren. Der Rat beruft sich dabei u. a. auf Beobachtungen und Erkenntnisse, die sich aus Untersuchungen der 6oer Jahre in Kanada herleiten. Dabei ist u. a. festgestellt worden, dass Mehrsprachigkeit eine Bereicherung in der Sprachentwicklung, in der Erweiterung des Kompetenzsystems, sowie im Ausbau der kognitiven und sozialen Fähigkeiten darstelle.
In Deutschland fehlt diesbezüglich eine längerfristig angelegte wissenschaftlich – forschende Begleitung, die vom Plattdeutschen Rat für dringend erforderlich gehalten wird.
Der Plattdeutsche Rat wendet sich des weiteren an die zahlreichen Kindergärten im Lande mit dem Appell, sich dieser bedeutsamen Aufgabe nicht zu verschließen und alle Maßnahmen zur Förderung der Zweisprachigkeit unter Einbeziehung des Friesischen und Dänischen zu fördern.
Dazu gehört eine kompetente Ausbildung im Verein mit Grundschullehrern und
-lehrerinnen, die vom IQSH entsprechend dem Richtlinienerlass aus dem Jahre 1992 zu leisten wäre. In Fortführung der Arbeit in den Kindergärten und Grundschulen, wo die festen Grundschulzeiten beispielsweise Niederdeutsch-stunden enthalten könnten, dies z. T. auch schon tun, könnten Plattdeutsch-AGs das Ganztagsschulprogramm bereichern, wie es z. B. das Angebot der Fritz-Reiter-Schule in Eckernförde ausweisen.
Der Plattdeutsche Rat fordert, dass die Position der zweiten Landessprache insbesondere im Bereich Vorschul- und Grundschularbeit gestärkt und ausgebaut wird.
Um eine Übersicht über die Verwendung von Plattdeutsch erstellen zu können, bittet der Plattdeutsche Rat die Kindertagesstätten und Grundschulen, die bereits ‚Niederdeutsch’ in ihrem Programm haben, ihm dies mitzuteilen.
Mitglieder des Rates sind: Marianne Ehlers, Dr. Willy Diercks, Karl-Heinz Groth, Ingwer Oldsen, Norbert Radzanowski (Infos unter: eMail: info@heimatbund.de - Niederdeutsch – Plattdeutscher Rat).
Molfsee, den 06.09.2006/ sch
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Wofür brauchen wir einen Plattdeutschen Rat?
Die zweite Sprache unseres Landes hat in den letzten Jahren an Ansehen gewonnen. Auch in der Öffentlichkeit sprechen heute viele Menschen selbstverständlich ihr vertrautes Platt. In zahlreichen Vereinen und Institutionen engagieren sich Bürger für das Niederdeutsche: als gesprochene Sprache im Alltag, als Literatur, als Kulturgut, das in Schule und Kindergarten weitergegeben werden soll.
Der Rat vertritt die Belange der Menschen, die die Regionalsprache sprechen oder an ihr interessiert sind. Nur wenn diese Interessen zusammengeführt und mit einer starken Stimme vorgebracht werden, sind zukunftweisende Zielabsprachen mit der Kulturpolitik möglich:
Welchen Platz soll das Plattdeutsche an den Schulen einnehmen? Was muss an der Ausbildung von Lehrern verbessert werden? Warum ist Platt an den Hochschulen unverzichtbar? Welche Chancen sollen Platt in den Medien eingeräumt werden? Welche Rolle soll es in der Kultur des Landes spielen? Wir brauchen einen starken Plattdeutschen Rat für Schleswig-Holstein, um Antworten auf diese Fragen zu geben – Antworten, die Platt als Teil einer gewachsenen und lebendigen kulturellen Vielfalt verstehen. Auch in der Zukunft. Der Plattdeutsche Rat wurde bisher dreimal gewählt: 2000, 2002 und 2006. Die Wahlperiode beträgt seit 2002 vier Jahre.
Aufgabenbereiche der Mitglieder
Karl-Heinz Groth
04351-44897 |
Bildung |
Dr. Willy Diercks
0431-98384-13
|
Literatur /
Hochschule
|
Marianne Ehlers
Tel. 04822-1260
|
Jugendarbeit
|
Karl-Heinz Groth
04351-44897
|
Verwaltung
Kommunalpolitik
|
Marianne Ehlers
Tel. 04822-1260
Karl-Heinz Groth
04351-44897 |
Vereine und Verbände
|
Dr. Willy Diercks
0431-98384-13
Norbert Radzanowski
04323-96555 |
Netzwerk Medien
|
Norbert Radzanowski
04323-96555 |
Kirche |
Dr. Willy Diercks
0431-98384-13
|
Sprachvermittlung
Sprachausbau
|
Norbert Radzanowski
04323-96555
Marianne Ehlers
Tel. 04822-1260
|
Bundesangelegenheiten
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Die Mitglieder des Plattdeutschen Rates für Schleswig-Holstein haben sich auf Leitsätze für Niederdeutsch verständigt. Sie bilden die Grundlage für die Formulierung eines Forderungskataloges für Niederdeutsch und für die Zukunftsperspektiven der Arbeit des Rates.
Leitsätze des Plattdüütschen Rat för Schleswig-Holsteen
1. Grundlagen: Was ist Niederdeutsch?
Die niederdeutsche Sprache prägt Kultur und Leben in Norddeutschland. Die norddeutsche Kultur erschließt sich in großem Umfang durch die niederdeutsche Sprache. Zahlreiche Lebensbereiche sind niederdeutsch bestimmt.
Einige Millionen Menschen sprechen Niederdeutsch. Viel mehr noch sind in der Lage es zu verstehen. Die meisten Menschen in Norddeutschland benutzen Niederdeutsch und Hochdeutsch. Mit beiden Sprachen sind wichtige gesellschaftliche Funktionen verbunden.
Niederdeutsch ist auch eine Schriftsprache. Das zeigt sich bis ins ausgehende Mittelalter durch eine reiche Geschäfts- und Verwaltungskorrespondenz. Seit dem 19. Jahrhundert entsteht eine neue literarische Überlieferung des Niederdeutschen.
Niederdeutsch lebt in der Vielfalt der europäischen Sprachenfamilie. Niederdeutsch nahm als Verkehrssprache während der Hansezeit einen wichtigen Platz im nördlichen Europa ein. Heute trägt Niederdeutsch als Regionalsprache zur sprachlichen und kulturellen Vielfalt Europas bei.
2. Gebrauch: Wo kommt Niederdeutsch vor?
Niederdeutsch begegnet uns vor allem als gesprochene Sprache. Die Verwendung des Niederdeutschen ist nicht gleichmäßig verteilt. Es ist am häufigsten anzutreffen
– in der Familie, im Freundes- und Bekanntenkreis, in der Nachbarschaft und in Vereinen,
– in vertrauten Situationen des täglichen Lebens: in Geschäften oder auf dem Wochenmarkt,
– in der Berufswelt und im Kollegenkreis,
– in der Verkündigung und der Seelsorge der Kirchen und
– als Signal von Vertrautheit und Nähe: in Ämtern, in der Werbung oder in der Politik.
Niederdeutsch hat einen festen Platz in öffentlichen Bildungseinrichtungen. Die Träger dieser Einrichtungen erkennen damit den hohen kulturellen Stellenwert dieser Sprache an. Wir erleben Niederdeutsch
– im Kindergarten,
– in der Schule,
– in der Hochschule und
– in der Erwachsenenbildung.
Geschriebenes Niederdeutsch begegnet uns in vielfältigen Formen. Das Spektrum umfasst vor allem
– Bücher, Zeitschriften, Zeitungen, Hörbücher,
– Inschriften und Namen und
– täglichen Schriftverkehr.
Das norddeutsche Kulturangebot wird vom Niederdeutsch maßgeblich geprägt. Es gibt ein beständiges Interesse des Publikums an dem vielfältigen kulturellen Angebot. Dies zeigt sich insbesondere
– im Theater,
– in der Musik und
– bei Rezitation und Vortrag.
Niederdeutsch hat einen Platz in den elektronischen Medien. In unterschiedlicher Ausprägung findet es sich
– im Rundfunk,
– im Fernsehen,
– auf Tonträgern (Kassetten, Schallplatten, CDs) und
– im Internet.
3. Förderung: Was muss für das Niederdeutsche getan werden?
Die Position des Niederdeutschen ist zu stärken, weil die Regionalsprache nicht in gleicher und ebenso selbstverständlicher Weise gefördert wird wie die Nationalsprachen. Daher gilt es zusätzliche Maßnahmen für das Niederdeutsche zu erreichen. Im Alltag, im kulturellen Bereich, in den Bildungseinrichtungen und in den Medien muss das Niederdeutsche ausgebaut und gefestigt werden.
Niederdeutsch sollte in seiner kulturellen Vielfalt in den Medien gespiegelt werden. Die Politik und die Verwaltung soll Möglichkeiten zur Verwendung des Niederdeutschen im öffentlichen Raum schaffen.
Niederdeutsch gehört selbstverständlich zum Bildungsauftrag. Es ist notwendiger Teil des Unterrichts zur Kultur Norddeutschlands und zum Land Schleswig-Holstein; insbesondere aber ist es Teil des Sprach- und Literaturunterrichts.
Die Menschen in der Region sollen die soziale Funktion des Niederdeutschen erkennen können. Sie sollen mit der historischen Rolle des Niederdeutschen vertraut werden und Zugang zu ihrer niederdeutschen Umgebung gewinnen können. Ihnen sollen Wege zur niederdeutschen Kultur geöffnet werden. Für die Menschen in der Region bedeutet das Kennenlernen und der Umgang mit dem Niederdeutschen grundsätzlich einen kulturellen Mehrwert. Deshalb sollten möglichst viele Kinder und Erwachsene die Sprache ihrer Region verstehen und sprechen können.
Globalisierung und Europäisierung werden sinnvoll ergänzt durch die Entwicklung eines Regionalbewusstseins. Regionalsprachen wie das Niederdeutsche erlauben es, die Region zu begreifen und zu gestalten.
Plattdüütsche Rat för Sleswig-Holsteen
c/o Schleswig-Holsteinischer Heimatbund (SHHB)
Telefon: 0431-98384-15 · Fax: 0431-98384-23 · eMail: info@heimatbund.de
24113 Kiel · Hamburger Landstr. 101
Arbeitsbereiche
Niederdeutsch
Plattdüütsche Rat
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