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 Schleswig-Holsteinischer

 Heimatbund e.V.

 Hamburger Landstr. 101,

 D-24113 Molfsee

 Tel.: +49 431-98384-0

 Fax: +49 431-98384-23

 eMail: info@heimatbund.de

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Heimat in Schleswig-Holstein, in Deutschland, in Europa und der Welt


Der SHHB setzt sich berufenermaßen mit dem Begriff Heimat und dessen heutigem Inhalt auseinander.

Wie umfassend ist heute der Heimatbegriff? Einige Definitionsansätze seien hier kurz dargestellt:

  1. Heimat ist für viele Geburts- und Wohnort, Wohnheimat und Geburtsheimat.
  2. Gemeint ist auch die soziale Heimat, also die Heimat in Gruppen.
  3. Es ist unter anthropologischen Aspekten das Revier, das Territorium, in dem man sich auskennt und handelt .
  4. Heimat ist der Ort, der ständige Bezugspunkt, der Ort, an dem man seine Wertungen und Orientierung entwickelt hat, wo man seine ersten Erfahrungen zu Regeln umgewandelt hat, wo man sein Leben zu meistern begonnen hat.
  5. Es ist aber auch der gesellschaftlich-regionale Rahmen, in dem man dies zu späteren Zeiten – als Erwachsener – wiederum lernt, wo man sich dann auch auskennt.
  6. Heimat hängt in ihrer Erstreckung von dem Handlungsradius des einzelnen Menschen, mehr aber noch von dem Aktionsradius der Gruppe ab.
  7. Außerdem scheint Heimat immer kleiner als etwa Nation zu sein und ist auch etwas anderes als Region.

Heute ist Heimat der Verwirklichungsort des Menschen in der Gemeinschaft. Insofern hat der Begriff Heimat einen Handlungsaspekt. Heimat hat man nicht, Heimat gewinnt man. Also auch der, der an seinem Geburtsort wohnen bleibt, braucht, um Heimat zu gewinnen, einen aktiven Zugang, einen tätigen Weg zur Heimat. Alle, die an einem solchen aktiven Prozeß beteiligt sind, ob nun Ansässige, Flüchtlinge und Vertriebene nach dem letzten Weltkrieg, Migranten und Neubürger, sind daher auch Partner in der Heimatarbeit der Verbände. Geschichte, Sprache, Architektur, Denkmale, Natur der Region sind gemeinsam und im Vergleich zu anderen Regionen zu entdecken, zu erarbeiten und als Heimat zu bewahren.

Und weiterhin: Heimat wird offenbar immer interessant, wenn die gesellschaftliche oder wirtschaftliche Situation problematisch wird – also wenn gewohnte Regeln und Erfahrungen geändert werden müssen, wenn konkurrierende Regeln auftauchen. Dann gilt Heimat als zu sichernder Bereich. Virulent und greifbar wird der Begriff also dann, wenn Krisenzeiten eintreten. Das 19. Jahrhundert erlebte einen Strom von Millionen von Auswanderern, die aufgrund von politischen und wirtschaftlichen Gründen Deutschland verließen und sich z. B. in Amerika eine Existenz aufbauten. Dieser Heimatverlust hat eine positive Bewertung von Heimat besonders hervorgerufen und zu zahllosen Zusammenschlüssen in den Immigrationsländern nicht nur von plattdeutschen Einwanderern, sondern von Einwanderern aus allen Ländern geführt. Noch heute gibt es zumindest dem Namen nach Hunderte von deutschen Clubs, Vereinen, Einrichtungen etc. Die Gründung von Heimatvereinen von Vertriebenen und Flüchtlingen nach dem 2. Weltkrieg sind Hinweise auf den Verlust, darauf, daß man Heimat braucht. Für viele Menschen ist Heimat nur romantische, nostalgische Sehnsucht nach etwas Verlorenem, sei es die Heimatregion, sei es die lange zurückliegende Kindheit. Aber das ist wirklich nur ein Aspekt von Heimat.

Wir beschäftigen uns z. Z. alle mit dem Begriff "Regionalismus",dem, wie es scheint, ein anderer moderner Begriff gegenübersteht: Globalisierung.

Wenn man genau hinsieht, ist der Begriff Region neben den der Globalisierung getreten und sozusagen die meistgenannte Untergliederung in diesem Bezug und nicht Nation.

Ist dieser Begriff von Region mit dem zu vergleichen, den wir bisher mit der Bestimmung von Heimat abzugrenzen meinten - also nicht mit der aus Wirtschaftsgründen ausgewählte Region, sondern mit der historisch gewachsenen Region, in der man über viele Kenntnisse über Fakten verfügt, in der man weiß, wie die Regeln des Umgangs unter den Menschen sind, wie historische Abläufe zu erklären sind? Regionen, die aus ökonomischen Gründen geschaffen werden, haben kein Gedächtnis, sie haben Regeln und Erfahrungen mit geringer Tiefe.

Die als "eigenartig" erfahrene, erarbeitete Region ist persönlich zur Verfügung stehende Heimat. Heimat als Orientierungshintergrund erlaubt gerade das, was immer wieder skeptisch betrachtet und bezweifelt wird, nämlich einen ideologiearmen ganzheitlichen Blick auf das Geschehen, auf Ursachen und Wirkung. Das Leben mit einer Minderheit im Land ist z. B. eine gute Übung für toleranten Umgang. Den Umgang mit Minderheiten gelernt zu haben, gibt eine persönlich erfahrene Perspektive. Ein natürlich die Welt nicht ausschließender die Heimat möglichst umfassender Blick ist dann auch Ausgangspunkt für die Wahrnehmung der überregionalen Beziehungen. Wahrhaft eine wichtige Aufgabe für Heimatvereine, an denen sie in den nächsten Jahren viel mit alten und jungen Kräften zu arbeiten haben, nämlich einen von der grundlegenden Kenntnis und Erfahrung der Kultur, der Natur, der Geschichte und der Menschen ausgehenden Blick auf die Welt zu entwickeln!

Kultur ist einer der besten Wege um Identifikationsmöglichkeiten für Menschen mit regionalen Räumen zu schaffen. Kulturelle Identität definiert sich meiner Einschätzung nach durch Unterscheidung und Zugehörigkeit zu Gruppen, Sprachen, Ländern, Zeiten. Gibt es so etwas wie Globalkultur? Weltliteratur, die man ja anführen könnte, ist nie Globalliteratur, sondern Literatur aus Deutschland, Italien, Frankreich mit weltweiter Geltung. Ohne diesen Hintergrund einer Gesellschaft, in der so etwas wächst wie Literatur, wie bildende Künste, ist Kultur kaum entwicklungsfähig. Kultur entsteht durch Unterschiede.

Die soziale Aufgabe von Kultur kann nicht überschätzt werden: Kultur und speziell die regionale, die Heimatkultur, kann heute wirtschaftliche und ethische Verluste kompensieren. Zu berücksichtigen ist, daß die Wirtschaftsregionen nicht mit den historischen Kulturräumen übereinstimmen. Heimatkultur ist als Gegenkultur modern und wichtig, weil sie einerseits die Möglichkeit schafft, daß man sich in einem bestimmten Raum wieder orientieren kann. Das ist die eine schon längst bekannte Seite. Das andere wird sein, daß Heimatkultur all das auffangen wird und müssen wird, was die Globalisierung an Negativeffekten mit sich bringt - Fernsehprogramme, Filmserien, Spielshows, überhaupt an das Überflutetwerden mit Unmengen von lauter nicht räumlich zugewiesener Kultur.

Vielleicht sind die Regionalkultur-Verteidiger bei vielen Menschen schon aus dem Feld der Mitbewerber um Kultur ausgeschieden. Ich glaube wohl, daß sich nicht alle Menschen mit Heimatkultur auseinandersetzen wollen, weil zum Beispiel die globale Vermarktung von Volkstümlichkeit bereits jeden Anspruch nach unten nivelliert und unsere Angebote der erarbeiteten Volkskultur bereits verdrängt hat.

Dennoch: Die Notwendigkeit einer Regionalkultur unter wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Aspekten bleibt hervorzuheben. Die Bedeutung von Regional- und Heimatkultur liegt in der Möglichkeit aller Menschen, direkt an der Schöpfung und der Interpretation und Darbietung von Kultur teilnehmen zu können, also den Prozeß mitzugestalten und damit zur Entwicklung des Menschen zu vollständigen Persönlichkeiten aufgrund von individueller Differenzierung beizutragen. Handlungssicherheit als Ergebnis des Lernens der Regeln einer Region ist Leitlinie für die Menschen.

Verbände, Vereine haben sich dieser Felder angenommen. Ob sie sie schon richtig beherrschen, ist eine andere Frage. Aber sie werden dieses mehr und mehr tun müssen. Sie werden insbesondere lernen müssen, gemeinsam zu arbeiten; das Landeskuratorium Schleswig-Holstein-Tag ist ein gutes Beispiel für dies Zusammenspiel von ehrenamtlich Tätigen.

Unabdingbar ist die Bewahrung aber auch die Schaffung bzw. Neuschöpfung des Eigenwilligen, des Eigenständigen einer Heimatregion. Dazu gehören die Sprache, die Volkskunde, die Architektur, die Denkmalpflege, der Naturschutz. All dieses zusammen - und mehr - macht Heimat aus. Heimat hat man zum Beispiel schon in vielen Städten nicht mehr in den Innenstädten, weil man von einem Ort zum anderen fahren kann, ohne zu wissen, ob man sich in den Geschäftszeilen in Hamburg, München oder Düsseldorf befindet. Tendenziell gehen wir nicht in die Richtung Heimatkultur. Die lokalen und regionalen Bilder zu erhalten, fordert Einsatz.

Es wird in Zukunft nötig sein, die globalen Entwicklungen im Auge zu behalten, die im starken Umfang von kommerziellen Anbietern verbreitet werden. Die Internationalisierung oder Globalisierung von Fernsehsendungen, die weit über den Ankauf von Filmen hinausgeht, reicht bis in die großen Spielsendungen, die schon längst das verdrängt haben, was in den Familien gespielt worden ist, all dies zeigt, daß wir Vorbilder haben, die die eigene Freizeit, die eigene Individualität und die kulturelle Eigenart auflösen.

Der konkrete Einsatz für Heimat und für deren Interessen, für deren Gebiete ist also auf keinen Fall zu vernachlässigen, er betrifft unsere Lebensbedingungen sehr grundsätzlich. Es ist nicht einfach, der starken und deutlichen Entwicklung zur Globalität Ergänzungen zur Seite zu stellen und auch eine Gegenkultur in der Region fortzusetzen oder zu schaffen. Die Verführung ist groß, daß man alles, was man über die Medien bekommt, für internationaler, moderner und besser hält.

Heimat ist nicht ein absterbender Ast. Heimat ist das, was uns erlauben wird, in Zukunft unsere eigene Existenz zu führen, und zwar unsere wirklich ureigene Existenz. Heimat wird das Fundament unserer Urteilsfähigkeit sein, und zwar nicht mehr im Sinne des Satzes vom Nahen zum Fernen, sondern für unser kenntnisreiches Urteil wird eine intensive und Tätigkeit einschließende Auseinandersetzung mit der bekannten Welt in unserer Umgebung sein.

Die Rolle der Heimatbünde kann sehr wichtig sein, wenn es uns gelingt, uns nicht abzuschließen, sondern uns als kenntnisreiche Fundamentbauer einzumischen.


Stand: 28. März 2011