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Schleswig-Holsteinischer
Heimatbund e.V.
Hamburger Landstr. 101
D-24113 Molfsee
Tel.: 0431-98384-0
Fax: 0431-98384-23
Vorsitzende:
Jutta Kürtz
Reg. Nr. 503VR4333ki
komplettes Impressum
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Programmierung: EVENT Connection, Kiel Inh. Björn Willnat
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Bewertungskriterien:
Aus dem sehr komplexen Phänomen Baukunst werden hier nur einige Bereiche herausgegriffen, die als Beurteilungskriterien dienen sollen. Sie gliedern sich stichwortartig in eine Positivliste, welche zusätzlich zum besseren Verständnis kommentiert wird und in eine ergänzende Negativliste ohne Kommentar.
POSITIVLISTE
- Bezüge zum Kontext und Umfeld (Suche nach dem Charakter des Ortes)
Trotz sicher häufiger ortspolitischer Einwände sollte versucht werden, eine formlose Mischung aus gewachsenem Ort, Neubaugebieten und Industrieansiedlung zu vermeiden. Stattdessen sollte eine Ortschaft klar festzuhaltende Ausdehnungsgrenzen bestimmen (wie es gerade in jüngster Zeit wieder von Architekturtheoretikern dringend verlangt wird.) Industriegebiete sollten, wenn sie sich im ländlichen Raum befinden, mit Hilfe topographischer Gestaltungen, Baumgruppen oder strukturalistischen Mitteln gefasst und auch begrenzt werden, um jeglicher Beliebigkeit Einhalt zu gebieten.
- Aufnahme regionaler, historischer, landestypischer Traditionen in struktureller Hinsicht (keine Rekonstruktionen)
Gerade in einer Zeit der Globalisierung und Internationalisierung kann die Bindung an einen Ort und dessen positive Aneignung so etwas wie Heimat und Behausung im besten Sinne bedeuten. Architektonische Elemente könnten sein: bestimmte Türkonstellationen, Befensterungen, Farbgebungen, Materialien, Dachkonstruktionen, Vorgärten, Einfriedungen und Bepflanzungen. Pseudotraditionelle Elemente oder auch ‚Ferienhaus-Wohlstands-Katen’ (im schärfsten Gegensatz zur sozialgeschichtlichen Bedeutung der Katen) sind sehr abträglich.
- Innovative, gegenwartsbezogene Architektur als Zeitzeugnis
Gemeint ist die zeitgemäße Übertragung der baulichen Traditionen mit durchaus neuen Materialien und Konstruktionen. Transformation, auch in funktionaler (Nutzung) und ästhetischer Hinsicht, aber immer unter Wahrung der Proportionen und Dimensionen und mit Referenz zum Umfeld.
- Vermeidung von Überflüssigem (Suche nach Grundstruktur)
Ein gewisses archetypisches Moment der Einfachheit
Wind und Wetter haben im Laufe der Geschichte maßgeblichen Einfluss auf die bauliche Gestaltung genommen, indem alles Überflüssige ‚abgeschliffen’ wurde. Dieser Extrakt durch jahrelange Erfahrung schuf das Notwendige, was zugleich zur Schönheit wurde und sich als Grundstruktur bei Häusern einer Region zeitungebunden herausschälte. Das ungeheuere Angebot auf Baumärkten veranlasst heute viele dazu, an das Gebäude diverse ‚Accessoires’ anzubasteln.
Es ist wichtig, dass das Gebaute neben dem Modischen eine gute Portion Archetypisches (archetypus = der Urform entsprechend) enthält – ist doch ein Gebäude als ‚öffentliches Werk der Baukunst’ auf lange Zeit für verschiedenste Menschen zu sehen, für die die Klarheit und Einfachheit des Archetypischen das Gemeinsame sein wird.
- Gestaltungslogik vom Ganzen bis hin zum Detail
Das Haus sollte nicht eine Ansammlung ‚zusammengekaufter Teile’ sein , sondern ein komplexer Organismus . Ein großer Teil der Schönheit lebt von der schlüssigen Fügekunst des Architekten und des klassischen Handwerks, weil die Logik , Nachvollziehbarkeit und Spannung wie bei einer musikalischen Komposition mit all ihren Akzenten als positiv empfunden wird. Nur so können wir von einem Werk der Baukunst sprechen, die anthropomorph, also dem Menschen entsprechend gestaltet ist.
- Typologie-Suche
Wir leben in einer Zeit der dominierenden Individualwünsche. Das wirkt sich auch auf die Gestalt unserer Ortschaften aus. Eine Mischung von unbedeutenden Solitärbauten prägt unsere Wohngegenden, die keine Gesamtheit ergeben. Vermehrt fordern Städtebauer und Architekturtheoretiker die erneute Suche nach Typologien, welche den Städten und Ortschaften der Vergangenheit ihre Schönheit und gemeinschaftsbildende Ruhe gaben. Trotz des ordnenden Elementes dieser stabilen Gesellschaften gab es immer genügend Raum für eine Variationsbreite der Individuen.
Als eine negative Tendenz im Lande sind die häufig anzutreffenden‚ zerklüfteten "Walmdach- Solitärhäuser" anzusehen, welche sich ohne Rücksicht auf die historische Ortstypologie festgesetzt haben.
- Bauen für den bestimmten Ort (Topos)
Wir tun oft so (und die Industrie propagiert es), als ob jedes Haus an jeden Ort passte. Wir sollten wieder zuerst den ‚genius loci’, den Geist des Ortes suchen und danach gestalten. Auch wenn wir eine überwiegend nomadische Gesellschaft geworden sind, brauchen wir umso mehr eine ‚heimatliche Verortung’.
- Einprägsame, erinnerungswürdige Gestalt (Orientierung, Ablesbarkeit)
In einer Zeit des ‚anything goes’, einer Kultur der Beliebigkeiten kommt es besonders auf eine einprägsame Bildhaftigkeit, auf eine erinnerungswürdige Gestalt an. Das ist aber nicht mit Auffälligkeit zu verwechseln. Denn gerade einfache Formen besitzen eine hohe Gestaltqualität. Es hat eher etwas mit dem ‚Charakter’ oder der ‚Haltung’ eines Bauwerks zu tun.
- Einheit von Haus, Ensemble und Außengestaltung
Entsprechend dem in der Semiotik bekannten Doppelbild von ‚Figur und Grund’ gibt es ein ‚Haus an sich’ überhaupt nicht. Vielmehr besteht eine Wechselwirkung mit dem Grund, dem Umfeld, das daher einer ebenso sorgfältigen Planung bedarf.
Bezüglich der Einheit von Haus und Häusergruppe, bzw. Ensemble ist die Einhaltung der Maßstäblichkeit, des Rhythmus innerhalb der Häuserreihe von eminenter Wichtigkeit, weil gerade durch diese syntaktische Ordnung das ganze Gefüge im Gleichgewicht gehalten wird. Es kann aber im Rahmen einer bewussten Komposition durchaus Ausnahmen geben, die sogar wichtig und sinnvoll sind, um Schwerpunktsetzungen, Fokussierungen oder Ähnliches zu bilden.
NEGATIVLISTE
- Surrogate/Ersatzstoffe (materiell, pseudotraditionell, Imitation, Eklektizismen, Attrappen, Nostalgiestücke)
- Maßstabssprünge, Maßstabslosigkeit
- Sucht des Auffallens (Repräsentationsziel statt Gestaltungsziel)
- Landschaftszerstörung, unnötiger Baulandverbrauch
- Bodenversiegelung und Missachtung der Topographie
- "Weder Stadt noch Land"
- Störung der Dachlandschaft
- Überzogene Werbung
- Unverhältnismäßige Fenster- und Türgestaltung
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