Chaussee Altona-Kiel: Staatssekretärin Julia Carstens bringt Teilprojekt zum Abschluss
Am Donnerstag hat Verkehrs-Staatssekretärin Julia Carstens den letzten Baum bei einer großangelegten Pflanzung von 155 Alleebäumen im Rahmen des Wiederherstellungsprojektes gesetzt. Im Beisein von über 30 Gästen weihte sie außerdem eine Infotafel zu den Aktionen an der historischen Chaussee ein
Angefangen hat alles mit einem Baum auf dem Großflecken in Neumünster. Das ist heute fast 18 Jahre her. Ziel des Erhaltungs- und Wiederherstellungsprojektes des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes (SHHB) und des Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV.SH) ist es, den ursprünglichen Charakter der von 1830 bis 1832 erbauten Chaussee Altona-Kiel wieder lebendig werden zu lassen. „Neben den Alleebäumen gehören dazu auch historische Objekte wie Meilensteine, Brücken oder Chausseehäuser, die durch das Projekt sichtbar gemacht und erhalten werden sollen“, erläuterte SHHB-Präsident Peter Stoltenberg.
Rückblick auf 18 Jahre Projekt "Chaussee Altona-Kiel"
Im Rahmen des Schleswig-Holstein-Tags wurde im Sommer 2008 der erste Baum mit dem damaligen Ministerpräsidenten Peter-Harry Carstensen in Neumünster eingesetzt. „Mittlerweile wurden mehr als 2.000 Bäume entlang des ehemaligen Streckenverlaufs gepflanzt“, sagte Stoltenberg am Donnerstag in Nützen, wo nun durch Julia Carstens der letzte Baum eines Teilprojektes gesetzt sowie eine Infotafel zur Chaussee und den Wiederherstellungsmaßnahmen an der historischen Allee enthüllt wurde.
„18 Jahre nach dem Start dieses Gemeinschaftsprojekts von Heimatbund und Land ist damit ein weiteres großes Stück der Strecke geschafft“, sagte die Staatssekretärin. Die historische Verbindung zwischen Kiel und Hamburg erhalte so wieder einen Teil ihres ursprünglichen und ökologischen Charakters zurück.
Erprobung verschiedener Pflanzverfahren
Außerdem stellte der LBV.SH eine im Rahmen der Pflanzung durchgeführte „Feldstudie“ vor. Denn die Pflanzmaßnahme an der B4 verbindet auf besondere Weise moderne technische Verfahren mit der Historie der Chaussee. Neben der Erhaltung der historischen Allee stand diesmal auch die Erprobung verschiedener Pflanzverfahren unter gleichen Bedingungen im Fokus: Ein Drittel der Bäume wurden mit der neuartigen Unterflurverankerung gepflanzt, einer Art „Baumschloss“, mit dem der Baum unterirdisch mithilfe von ökologisch abbaubaren Spanngurten im Boden fest verankert wird. Damit soll sichergestellt werden, dass er während der Anwachsphase guten Halt bekommt und sicher anwächst. Um den Erfolg des Verfahrens festzustellen, wurden als Vergleichsgruppe die übrigen Bäume zum einen auf konventionelle Weise mit dem Dreibock gepflanzt und zum anderen mit Erdankern.
„Wir sind sehr gespannt, wie sich die neuen Methoden der Baumverankerung unter den besonderen Bedingungen am Straßenrand entwickeln werden und welche letztlich am besten für die Bäume funktioniert", sagte LBV.SH-Geschäftsbereichsleiterin Straßenbetrieb Susan Müller.
Letzter Spatenstich auf dem fertiggestellten Teilabschnitt (v. li.): Hendrik Schrenk, Peter Stoltenberg, Susan Müller, Juliane Rumpf, Julia Carstens © Anna Biß / SHHB
Beteiligte und Gäste bei der Baumpflanzung in Nützen © Anna Biß / SHHB
Staatssekretärin Julia Carstens und SHHB-Präsident Peter Stoltenberg © Anna Biß / SHHB
Vertreter*innen des SHHB-Präsidiums mit Staatssekretärin Julia Carstens (2. v. re.) © Anna Biß / SHHB
Vertreter*innen des SHHB-Präsidiums im Gespräch mit Staatssekretärin Julia Carstens (2. v. li.) © Anna Biß / SHHB
Vergleich verschiedener Pflanzverfahren, hier der klassische Dreibock © Anna Biß / SHHB
Bei der Unterflurverankerung ist keine oberirdische Befestigung notwendig © Anna Biß / SHHB
Neubepflanzung der Knicks entlang der B4 unter Erprobung verschiedener Methoden der Baumverankerung © Anna Biß / SHHB
Eine weitere Besonderheit der Pflanzung bestand darin, dass erstmals in der Geschichte der Wiederherstellung der Chaussee auch auf Privatgelände gepflanzt werden konnte: So stehen nun 65 der 155 neuen Bäume auf dem Gelände der Rudolf Fock GmbH. Darüber hinaus wurden auf dem Firmengelände Blühstreifen angelegt, die ab diesem Sommer zahlreichen Insekten als Nahrungsquelle sowie Vögeln und Kleintieren als Rückzugsort oder Brutstätte dienen sollen.
Aufwertung von Knicks
„Für den SHHB ist auch interessant, dass zusätzlich zu den neuen Alleebäumen, die Knicks entlang der Chaussee durch die Pflanzung potentieller Überhälter [große Einzelbäume auf dem Knick] aufgewertet wurden“, so Peter Stoltenberg, deren Verband gemeinsam mit dem Umweltministerium Schleswig-Holstein gerade ein neues Modellprojekt zum Überhältermanagement auf den Weg bringt.
Zur historischen Chaussee Altona-Kiel
1830 bis 1832 wurde die rund 92 Kilometer lange Chaussee Altona-Kiel im Auftrage des dänischen Königs und Herzogs von Schleswig und Holstein Frederik VI gebaut. Mit dem Bauvorhaben begann der moderne Chausseebau in Schleswig-Holstein. Die Straße verkürzte nicht nur die Reisezeit von Altona nach Kiel von 24 auf zehn Stunden, sondern schaffte auch die Grundlage für einen leistungsfähigen Warenaustausch sowie Personentransport und damit eine moderne industrielle Produktion.
Zum Chaussee-Projekt
Ein Netzwerk aus Vertretern von Anliegergemeinden, Landesbehörden, der Landesnaturschutzbeauftragten und engagierten Einzelpersonen sowie dem SHHB hat die Chaussee als bedeutende Infrastruktureinrichtung des 19. Jahrhunderts erkannt und bemüht sich seit 18 Jahren darum, die Bedeutsamkeit dieser ersten Kunststraße Schleswig-Holsteins und ihrer Allee wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken.
Ziel des Projektes ist es, wo immer möglich
- die historische Allee an der Chaussee zu erhalten oder wiederherzustellen,
- historische Objekte wie Meilensteine, Brücken, Chausseehäuser zu präsentieren
- und die Geschichte der Chaussee im Wandel der Zeit bekannt zu machen.
Die letzten beiden Pflanzungen von insgesamt 226 Bäumen an den Teilabschnitten entlang der L319 zwischen Wiemersdorf und Brokenlande sowie an der B4 südlich von Lentföhrden wurden finanziert durch Ausgleichsmittel der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) des Kreises Segeberg sowie unterstützt durch die Rudolf Fock GmbH, Anliegergemeinden und engagierte Einzelpersonen.